Presseberichte
Gold für Hartenbauer, Bronze für Günther
Von Sandra Funk / Kreiszeitung Böblingen
NUFRINGEN. Mit ihrem Sieg hatte sie die dritte Medaille für den Kreis Böblingen an diesem Wochenende geholt. Besser hätte es für die Kunstradfahrer aus Magstadt, Weil im Schönbuch und Nufringen bei der deutschen Meisterschaft in der Schwabenlandhalle im Wiesengrund kaum laufen können.
Zweier-Kunstrad: Bei den Paaren der offenen Klasse griffen am Samstagvormittag erstmals Starter aus dem Kreis Böblingen ins Turniergeschehen ein. Patrick Tisch und Jessica Beuttler vom RV Pfeil Magstadt waren im sieben Paare umfassenden Starterfeld mit der zweithöchsten Punktzahl angetreten, hätten mit einer blitzsauberen Kür eventuell sogar auf das oberste Treppchen schielen können. Die Übungen auf zwei Rädern klappten soweit auch ganz gut. "Bis auf ein paar kleinere Abzüge, die Nervosität war doch recht groß", erklärte Trainerin Gudrun Steegmüller. Doch zu den 50 Prozent bei der Kehrsteuerrohrsteiger-Drehung kamen auf einem Rad auch noch zwei Stürze hinzu. Bei der Lenkerdrehung mit Dornenstand überdrehte Patrick Tisch, und Jessica Beuttler bekam den Lenker nicht mehr zu fassen. Genau diese vier Punkte Abzug kosteten am Ende den zweiten Platz, reichten aber immer noch für die Bronzemedaille. Gold holten Straub/Schlecht aus Bonlanden, Silber Hanselmann/Schefold vom RV Öhringen.
Am Nachmittag wollten Viviane Küting und Miriam Fischer vom RV Weil im Schönbuch bei den Juniorinnen ihr Können unter Beweis stellen. Und das gelang den Hildrizhausenerinnen auch. 15 Paare waren in zwei Blöcken an den Start gegangen, mit der Titelentscheidung hatten die beiden freilich nichts zu tun, zeigten aber eine ansprechende Kür, so dass sogar der Sturz bei der Kehrlenkersitzsteiger-Drehung zu verschmerzen war. "Die Übung hat gezählt, also waren es nur zwei Punkt Abzug", erklärte die 14-jährige Viviane Küting. Mit 80,90 Punkten machten die beiden am Ende sogar noch zwei Plätze gut und freuten sich über den neunten Platz ebenso wie die Trainerinnen Heike Laws und Nadine Hoffmann.
Einer-Kunstrad: Bei den Junioren wurde es am Samstagabend spannend. Während am Ende Lukas Kohl (Kirchehrenbach/179,10 Punkte), Adam Kottmann (Penzberg/165,55) und Marcel Jüngling (Dornheim/161,20) ihrer Favoritenrolle gerecht wurden und die Medaillenränge unter sich ausmachten, war zunächst gar nicht klar, ob Tim Kühnle vom RV Pfeil Magstadt überhaupt an den Start gehen konnte. "In der Nacht war er krank, musste sich übergeben und hat auch tagsüber alles andere als gut ausgesehen", bangte Simon Altvater, dreifacher Europa- und sechsfacher Weltmeister im Zweier-Kunstfahren, um den Einsatz von Tim Kühnle. Doch nach dem Training wurde es etwas besser, und der junge Magstadter entschied sich dafür aufs Rad zu steigen. Lediglich die Lenkerdrehung glückte nicht, bei allen anderen Übungen kam er gut durch und konnte am Ende seinen sechsten Platz mit 146,83 herausgefahrenen Punkten halten.
Am Sonntagnachmittag waren nun alle gespannt auf die Darbietungen im Einer der Juniorinnen, schließlich hatten mit Kathrin Hartenbauer aus Magstadt und Lena Günther aus Nufringen gleich zwei Sportlerinnen die Aussicht auf eine Medaille. Mit der vierthöchsten eingereichten Punktzahl von 153,87 lastete vor allem auf Lena Günther ein enormer Druck, in der eigenen Halle bloß keine Fehler zu machen. Gleich zu Beginn ihrer Kür zeigte sie die knifflige Rückwärtsserie und meisterte diese ebenso wie die Lenkerdrehung, die sie noch um eine halbe Drehung auf zweieinhalbfach aufstockte. Zwar sah das Kampfgericht auch bei ihr den einen oder anderen Wackler und der Echtzeit-Punktestand auf der Anzeigetafel ging immer weiter herunter, am Ende behielt die Lokalmatadorin aber die Nerven und setzte sich mit 148,45 Punkten zunächst an die Spitze. Platz vier war damit sicher. Die nach ihr folgende Kira Lansing aus Stadtlohn leistete sich zwar ebenso keinen Sturz, zeigte aber eine unruhige Kür, musste immense Abzüge in Kauf nehmen und landete am Ende hinter der Nufringerin, die spontan über die Bronzemedaille jubelte. In ihrem ersten Jahr bei den Juniorinnen hat die 15-Jährige gleich richtig abgesahnt. "Das hat sie richtig gut gemacht, ich bin stolz", war Trainerin Carola Eipper hin und weg. Blieben noch zwei Starterinnen. Milena Slupina aus dem bayerischen Bernlohe musste zweimal vom Rad und lieferte mit 157,88 Punkten eine Steilvorlage für die letzte Starterin: Kathrin Hartenbauer aus Magstadt. Hochkonzentriert legte sie mit dem Sattelstand los, stürzte aber gleich beim Mautesprung auf den Lenker. "Der Sprung hat gezählt, weil ich ja kurz draufgestanden bin. Also hab ich gedacht - scheiß drauf und mach einfach weiter so gut es geht", hatte die 17-Jährige nach dem Gewinn der Goldmedaille gut Lachen. Von diesem Sturz hatte sie sich nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen lassen. Sie fuhr ihr restliches Programm sauber durch, bis eben am Ende alle Last von ihr fiel und sie nach einer kurzen Verbeugung vor dem Kampfgericht schnurstracks zu Trainerin Gudrun Steegmüller flitzte, um dieser um den Hals zu fallen. Auch die Omas und Opas bekamen hinterher eine lange Umarmung zwischen der Siegerehrung und vielen, vielen Tränen der Freude.
Radball und Radpolo: Neben den Kunstradsportlern suchten am Wochenende auch die Radballer und Radpolospielerinnen ihre Meister. Spannende Duelle waren dabei an der Tagesordnung und verwandelten die Schwabenlandhalle in einen Hexenkessel. "Super Stimmung", freute sich daher Martin Brenner, Vorsitzender des RV Nufringen, als es am Sonntag im Finale richtig hoch her ging. Bei den U19-Radballern hatten am Ende Daniel Becker und Christian Ochßner vom RV Bolanden mit 21 Punkten die Nase vorne vor Stauf/Frank vom RV Laubach (18) und Kling/Beinschrodt vom RV Kemnat (10). Bei den U17-Radballern siegte der RV Naurod mit Wagner/Wehner (21) vor dem RSV Gifhorn (16) und der RSG Hahndorf (13). Im Radpolo holte sich das Team des TuS Dotzheim I den Titel vor dem RSV Seeheim I und TuS Dotzheim II.