Presseberichte

Lena Günther holt im ersten Juniorenjahr Medaille

Von Christian Ignatzi / Gäubote

Bei sportlichen Aufstiegen lief das Lied in der vergangenen Saison in allen Sportarten rauf und runter. "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen hat sich zum Hit entwickelt, wenn es etwas zu feiern gibt. Aufgestiegen ist zwar am Sonntag niemand, Grund zu feiern hatten die Nufringer in der Schwabenlandhalle trotzdem. Und so war es kein Wunder, dass der erste Vorsitzende des RV Nufringen, Martin Brenner, zu der Musik der Hosen zu Tränen gerührt in der Halle stand und noch gar nicht so recht wusste, was er eigentlich sagen sollte.

"Klar, da drückt man dann schon die eine oder andere Träne raus", sagte er und fügte hinzu: "Wir sind sehr stolz auf Lena." Lena Günther ließ sich wenige Minuten zuvor auf den Schultern eines Radballers auf einer Ehrenrunde vor den Tribünen hertragen und machte eine La-Ola-Welle mit dem Publikum. Mit 700 Zuschauern pro Tag war die Schwabenlandhalle restlos ausverkauft. "Wir sind hochzufrieden mit dem Besuch", sagte Martin Brenner. Und der Besuch war hochzufrieden mit "seiner Lena".

Das 15 Jahre alte Nachwuchstalent wies wieder einmal viele ihrer Konkurrentinnen in die Schranken und landete in ihrem ersten DM-Turnier bei den Juniorinnen auf dem Treppchen. Nach einer starken Kür stand die Kunstradfahrerin gemeinsam mit ihrer Trainerin Carola Eipper vor der Anzeigentafel und wartete gespannt, das Kinn auf den Lenker gestützt. Mit bangem Blick wartete sie auf das Ergebnis und schien es am Ende gar nicht so recht fassen zu können: 148,45 Punkte und Platz eins. Riesenjubel bei den Zuschauern in der Halle, die Lena mit Plakaten angefeuert hatten. Von den drei Fahrerinnen nach ihr schafften es zwei, die Nufringerin noch hinter sich zu lassen.

Ein dritter Platz, mit dem Lena Günther vollauf zufrieden ist: "Das ist super, der dritte Platz war mein Ziel", sagte sie nach der Siegerehrung. Auch beim Qualifikationsturnier vor wenigen Wochen hatte sie schon den dritten Platz belegt. Nun galt es, auch vor heimischem Publikum zu zeigen, was sie kann. "Und das ist gar nicht so einfach", erklärt Carola Eipper. "Auswärts fährt es sich besser, weil das heimische Publikum natürlich immer mit besonderen Erwartungen verbunden ist." Hätte es nicht mit einem Podestplatz geklappt, sagt Eipper, wäre die Enttäuschung groß gewesen: "So ist es aber ein schöner Abschluss ihres ersten Jahres bei den Junioren."

Nufringens Bürgermeisterin Ulrike Binninger, die als Ehrenpreise Pokale an die Siegerinnen vergab, hatte auch fest mit einem Erfolg Lenas gerechnet: "Wir sind stolz auf Lena", freute sie sich, "aber wir alle haben nichts anderes erwartet, weil wir wissen, was sie kann." Auch Martin Brenner hatte sich schon vor der Kür gute Chancen für das RV-Aushängeschild ausgerechnet. "Als wir die Meisterschaft geplant haben, dachten wir, dass sie unter die ersten zehn kommen kann. Ein Platz auf dem Podest wäre das i-Tüpfelchen und eine tolle Überraschung", sagte er vor dem großen Auftritt.

Ihn freut es besonders, dass die Lokalmatadorin eine Medaille in Nufringen behält. "Solche Veranstaltungen organisieren wir schließlich in erster Linie für unsere Sportler. So können wir ihnen Anerkennung entgegenbringen", sagt Brenner. Anerkennung wird Lena Günther auch am 14. Mai bekommen. Dann hat ihr Verein einen Empfang für sie im Nufringer Rathaus vorbereitet.

Besser als Lena Günther waren am Sonntag bei den Juniorinnen nur noch Milena Slupina vom TSV Bernlohe und Kathrin Hartenbauer vom RV Pfeil Magstadt, die die deutsche Meisterschaft holte. Die 17-Jährige strahlte über beide Ohren, als sie sich das Meistertrikot überziehen durfte. "Das ist echt geil", freute sie sich. "Mein Ziel war es heute, die deutsche Meisterschaft zu holen und dass es geklappt hat, ist super." Gemeinsam mit ihren Freunden, die sie mit einem roten Luftballon mit dem goldenen Schriftzug "Dein Magstadt-Fan-Club" angefeuert hatten, feierte sie ihren Triumph. Lange kann sie sich aber nicht darauf ausruhen. In zwei Wochen geht es für sie bei der Europameisterschaft im schweizerischen Altdorf weiter.

So weit will Lena Günther in zwei Jahren sein. Dann findet die EM in Nufringen statt. Schon vor zwei Jahren hatte sie bei der DM in ihrer Heimathalle bewiesen, dass sie gut mit dem Druck umgehen kann, vor heimischem Publikum anzutreten, als sie die Silbermedaille holte. Trotzdem will sie weiter an sich arbeiten: "Die Kür war heute noch nicht perfekt", sagt sie. "Weil es heute trotzdem gereicht hat, ist das aber nicht schlimm."

Einer findet es ohnehin nicht schlimm, wenn mal ein kleiner Fehler dabei ist: Martin Brenner: "Der dritte Platz war der perfekte Abschluss einer tollen deutschen Meisterschaft in unserer Halle", sagt er. "Ich bin sehr glücklich mit dem Resultat, aber auch mit der gesamten Organisation." Als "alter Hase" in Sachen Turnierveranstalter, wie er sich selbst bezeichnet, hat er erst im Januar mit der Organisation angefangen. Kein Problem, alles verlief reibungslos. Und das, obwohl viel Verantwortung auf Martin Brenners Schultern lastet: "Ich mache ja 80 Prozent der Organisation selbst", meinte er schmunzelnd.

Und wie immer lief auch diesmal alles glatt. Die Bewirtung im Festzelt klappte reibungslos, genügend Zuschauer waren gekommen und die Stimmung in der Halle war vor allem beim Radballturnier hervorragend - nicht zuletzt dank der mobilen Tribüne, die mit weiteren Sitzplätzen direkt an den Spielfeldern für eine Stadion-Atmosphäre sorgte. "Wir hatten heute ein super Publikum", sagt Brenner. Selbst mit dem Zeitplan klappte diesmal alles ohne Probleme. "Wir waren manchmal eher zu früh dran als zu spät."

Mit dieser organisatorischen Leistung freuen sich die RV-Nufringen-Mitglieder schon jetzt auf die Europameisterschaft 2015. Wenn dann Lena Günther wieder vorne dabei ist, werden die Toten Hosen sicher wieder ein akustisches Stelldichein aus den Musikboxen geben.

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